Die erste islamische Frauenbewegung

(Aus der Selbstdarstellung der Ahmadiyya Muslim Jamaat).

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist die einzige islamische Bewegung, die daran glaubt, dass der von allen Muslimen erwartete Reformer und Messias in der Person Seiner Heiligkeit Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad (1835–1908) von Qadian (Indien) bereits erschienen ist. Alle anderen Muslime warten nach wie vor auf diese Person. […] In seinem umfangreichen Gesamtwerk an Schriften, Vorlesungen, Reden und religiösen Diskursen etc. erörtert er, dass der Islam den einzigen lebendigen Glauben darstellt, durch dessen Befolgung der Mensch eine tiefgehende Beziehung zu seinem Schöpfer herstellen kann. […]

Mirza Ghulam Ahmad belebte den Islam aus einer tiefen Depression wieder und legte die Wahrheit und Schönheit des Islam in über 80 Büchern auf Urdu, Arabisch und Persisch dar. Er warnte die Muslime vor einer irrationalen Interpretation des Korans und der falschen Anwendung des islamischen Rechts. Er erklärte, dass die Sprache des Korans zahlreiche Metaphern und Gleichnisse enthält und nicht immer wortwörtlich ausgelegt werden darf.

Mirza Ghulam Ahmad erklärte, dass die Vorstellung, bestimmte Verse des Korans seien aufgehoben (Abrogation), auf einem Irrtum beruht. Weiterhin erklärte er deutlich, dass den Lehren des Islam zufolge der Gebrauch von Gewalt in Fragen der Religion absolut verboten sei. Er betonte die Gleichwertigkeit von Frau und Mann und befreite so das weibliche Geschlecht von ihrer passiven Rolle, die sie in vielen islamischen Gesellschaften wegen der falschen Auslegung des Heiligen Koran und patriarchalischer Machtstrukturen einnehmen musste. […]

Seit dem Ableben ihres Gründers wird die Ahmadiyya Muslim Jamaat von seinen gewählten Nachfolgern - den Kalifen - geführt. Das jeweilige Oberhaupt heißt Khalifatul Massih, d.h. Nachfolger (Kalif) des Verheißenen Messias. Es wird durch ein Wahlkomitee der Gemeinde auf Lebenszeit gewählt. Das derzeitige spirituelle Oberhaupt der Gemeinde, Seine Heiligkeit Mirza Masroor Ahmad, wurde im Jahre 2003 als fünfter Nachfolger des Verheißenen Messias gewählt. […]

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat zeichnet aus, dass sie zwischen Glaube und Vernunft keinen Widerspruch sieht. Demnach lehrt der Koran nichts, was der Vernunft widerspricht. Auch darf zwischen Religion und Wissenschaft kein Widerspruch bestehen. […] Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist darüber hinaus die führende islamische Gemeinde, die Gewalt und Zwang in Glaubensdingen kategorisch ausschließt und eine strikte Trennung von Staat und Religion befürwortet. Nach ihr ist ein Muslim zur Loyalität gegenüber einer nicht-muslimischen Regierung verpflichtet.

Die Auffassung, jemand der aus dem Islam austrete, müsse getötet werden, ist falsch und steht im Widerspruch zum Koran. Auch heute ist die Gemeinde eine Verfechterin der universellen Menschenrechte und setzt sich für den Schutz von religiösen und anderen Minderheiten ein.

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist mit der 1922 gegründeten „Lajna Imaillah“ die einzige muslimische Gemeinde mit einer eigenen, unabhängigen und sich selbst verwaltenden Frauenorganisation. Sie verkörpert in ihrer Art die erste islamische Frauenbewegung überhaupt. Die Gemeinde setzt sich für die Bildung von Frauen ein. Zwangsheirat oder Unterdrückung der Frau wird als unvereinbar mit der islamischen Lehre angesehen.

Darüber hinaus setzt sich die Ahmadiyya Muslim Jamaat richtungsweisend für alle anderen islamischen Gruppen traditionell für einen überkonfessionellen und interreligiösen Dialog ein und veranstaltet regelmäßig Informationstreffen oder auch öffentliche Frage- und Antwortsitzungen. Sie fördert Frieden und Verständnis zwischen der Gefolgschaft der unterschiedlichen Glaubensrichtungen genauso wie die Integration ihrer Mitglieder in die jeweiligen Gesellschaften, als deren aktiver Teil sie sich versteht.