Islamischer Religionsunterricht in Niedersachsen

In Niedersachsen leben etwa 49.000 muslimische Schülerinnen und Schüler. Muslimische Verbände haben seit langem gefordert, dass auch sie in den Genuss des grundgesetzlich verbrieften Rechts auf konfessionellen Religionsunterricht kommen. Das Land Niedersachsen hat zu diesem Zweck im Jahr 2003 mit dem Schulversuch „Islamischer Religionsunterricht“ begonnen. An ihm nahmen zuletzt 43 Grundschulen und mehr als 2.000 Schülerinnen und Schüler teil.

Seit dem Schuljahr 2013/2014 ist der Islamische Religionsunterricht ein ordentliches Lehrfach, zunächst an den Grundschulen, später, so die Planung, auch an den weiterführenden Schulen. Unterrichtet wird zwei Stunden pro Woche, in deutscher Sprache, von muslimischen Lehrern und Lehrerinnen.

Hauptziel des Islamischen Religionsunterrichts ist es, den muslimischen Schülerinnen und Schülern Wissen über ihre eigene und andere Religionen zu vermitteln (insbesondere über Judentum und Christentum) und sie in die Lage zu versetzen, über ihre Religion in deutscher Sprache Auskunft zu geben.

Der Islamische Religionsunterricht wird nach Auskunft des niedersächsischen Kultusministeriums sehr gut angenommen (mehr). In der Regel werden fast alle muslimischen Schüler und Schülerinnen zum Unterricht angemeldet. Eltern wie Schüler begrüßen, dass Muslime nun ebenso behandelt werden wie Christen. Der Unterricht stärkt die kulturelle Identität muslimischer Schülerinnen und Schüler und trägt zur Integration bei.

Runder Tisch und Beirat
Kompliziert sind die rechtlichen und organisatorischen Fragen: Nach Artikel 7 des Grundgesetzes wird der Religionsunterricht in Deutschland „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt“ (Art. 7,3 GG). Nach Auffassung der niedersächsischen Landesregierung erfüllen die muslimischen Verbände bislang nicht die Anforderungen, die für „Religionsgemeinschaften“ gelten (mehr). Zur Erteilung Islamischen Religionsunterrichts musste daher eine Übergangslösung gefunden werden.

Diese Übergangslösung sieht wie folgt aus: Vor Beginn des Schulversuchs im Herbst 2002 wurde ein „Runder Tisch islamischer Religionsunterricht“ einberufen. An ihm nehmen Repräsentanten der beiden wichtigsten islamischen Verbände in Niedersachsen teil, das sind die sogenannte „Schura“ (arabisch: Rat), der „Landesverband der Muslime in Niedersachsen e.V.“, und „DITIB“, der „Landesverband Niedersachsen und Bremen e.V. der Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V.“. Die Verbände repräsentieren etwa neunzig Prozent der niedersächsischen Moscheevereine. Mit der Unterstützung externer Experten hat der „Runde Tisch“ einen Lehrplan („Kerncurriculum“) für den Islamischen Religionsunterricht erarbeitet (hier).

Darüber hinaus hat sich das Kultusministerium mit den beiden muslimischen Verbänden auf die Gründung eines Beirats für den Islamischen Religionsunterricht verständigt. Diese Lösung der komplizierten juristischen Probleme war im Jahr 2008 von der deutschen Islam-Konferenz vorgeschlagen worden (hier). Der Beirat wurde im Januar 2011 gegründet. Mitglieder sind zurzeit die Religionspädagogen Annett Abdel Rahman und Dr. Ali Özgür-Özdil (für die Schura) sowie Imam Mehmet Soyhun und der stellvertretende Sekretär von DITIB-Niedersachsen, Muhammed Aktas (für DITIB).

Im Jahr 2012 legte der Beirat eine Ordnung für die Lehrerlaubnis für den Islamischen Religionsunterricht vor (Idschaza) (mehr).

 

Islamischer Religionsunterricht in Niedersachsen: Annett Abdel-Rahman, Friedhelm Kraft im Gespräch.

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