Was glauben die Bahai?

(Aus der Selbstdarstellung der Bahai)

Die Baha’i-Schriften rufen alle Menschen zu selbständiger Suche nach religiöser Wahrheit auf. Ziel ist, mit eigenen Augen zu sehen, nicht mit denen anderer, und durch eigene Erkenntnis Wissen zu erlangen und die Wirklichkeit zu erforschen.

Die Bahá'í-Religion erweitert den Reichtum der bisherigen Religionen um neue Lehren. Ihr Ziel ist geistig-spirituelle Erneuerung und die umfassende Vereinigung der ganzen Menschheit.

Einheit Gottes
Es gibt nur den einen Gott, der sich der Menschheit im Laufe der Geschichte unter verschiedenen Namen offenbarte. Der Mensch hat keinen direkten Zugang zu Gott, er benötigt die Offenbarer als Verkünder göttlicher Wahrheiten und als Brücke. Gott selbst ist eine unerforschliche Wesenheit, die durch den Menschen nicht erfasst und beschrieben werden kann.

Das Wesen Gottes kann somit in der stofflichen Welt nicht in Erscheinung treten. Die Erkenntnis Gottes ist nur über seine Offenbarer möglich. Ihre Rolle wird oft verglichen mit einem vollkommenen Spiegel, der das Licht der Sonne der Wahrheit für den Menschen sichtbar widerspiegelt.

Einheit der Religionen
Die Offenbarer als Religionsstifter verkünden die göttlichen Wahrheiten für ihr jeweiliges Zeitalter, entsprechend dem Reifegrad der Menschheit. Da sich die Erfordernisse der Menschheit immer weiter entwickeln gibt es auch keine abschließende Offenbarung – die Offenbarung Gottes schreitet in der Geschichte fort. Der Bund, den Gott mit den Menschen geschlossen hat, wird stets erneuert. Gott lässt die Menschheit nicht allein.

In jeder Offenbarung findet sich eine zentrale Botschaft. Sie wird von den Menschen aller Epochen immer wieder mit der jeweiligen Religion in Verbindung gebracht. So stellte Christus die Liebe in den Mittelpunkt, und die Nächstenliebe wurde zur zentralen Botschaft seiner Offenbarung. Im Zentrum der Botschaft Bahá'u'lláhs steht die Einheit.

Da es nur einen Gott gibt, können keine wirklich trennenden Unterschiede zwischen den Religionen bestehen. Unterschiede sind zeitbedingt, aber der ewige Bund Gottes mit den Menschen verbindet alle Religionen als einigendes Band.

Bahá'u'lláh lehrt: „Es gibt keinerlei Unterschied zwischen den Trägern Meiner Botschaft. Sie alle haben nur ein Ziel, ihr Geheimnis ist das gleiche. Einem von ihnen größere Ehre zu erweisen als anderen, einige von ihnen über die übrigen zu erhöhen, ist keineswegs zulässig, jeder wahre Prophet hat Seine Botschaft als wesensgleich mit der Offenbarung jedes anderen Ihm vorangegangenen Propheten angesehen.“

Einheit der Menschheit
Alle Menschen dieser Erde gehören nur einer Familie an. Die Verkündigung dieser Lehre und der Aufruf zu einer globalen Weltordnung waren zu Lebzeiten Bahá'u'lláhs revolutionäres Gedankengut und nur wenigen Menschen begreiflich. Darin waren bereits globale Steuerungsmechanismen für Wirtschaft, Ressourcen der Erde und die Erhaltung des Friedens vorgezeichnet.

Die Menschheit muss - bei aller Verschiedenheit der Nationen, Ethnien, Religionen oder sozialen Lebensumständen - zu einem Organismus zusammenwachsen, wenn sie überleben will.

Einheit in der Vielfalt ist hierbei der geistige Wegweiser. Unterschiede der Völker und Kulturen sollen als Reichtum bewahrt bleiben. Einheit bedeutet, dass wir in allen wichtigen Angelegenheiten eine gemeinsame Sicht und Handlungsweise entwickeln. Der Weg hierzu beginnt im Inneren eines jeden von uns.

'Abdul-Bahá lehrt: „In den Augen des Schöpfers sind alle Seine Kinder gleich. Seine Güte ergießt sich über alle. Er begünstigt weder das eine noch das andere Land. Sie alle sind in gleicher Weise Seine Geschöpfe. Da dies so ist, warum dann sollten wir Trennungslinien ziehen, die eine Rasse von der anderen scheiden? Warum dann sollten wir Schranken des Aberglaubens und der Überlieferung errichten, die Uneinigkeit und Haß unter die Menschen bringen.“