Fethullah Gülen über Wissenschaft und Technik

(Aus: Fethullah Gülen, Wissenschaft und Technik)

In dem gleichen Maße, in dem wir heutzutage über enorme Möglichkeiten und Hoffnungen verfügen, sind wir auch gewaltigen Katastrophen und Gefahren ausgesetzt. Das neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert waren zwei der produktivsten und reichsten Jahrhunderte - sowohl im Guten wie auch im Schlechten.

Hätte die Menschheit die Chancen dieser Jahrhunderte in idealer Weise genutzt, hätte sie die Welt in ein Paradies verwandeln können. Die Atmosphäre, die uns umgibt, und die Bedingungen, die wir vorfinden, versprechen uns Glückseligkeit, so lange wir nur Wissenschaft und Technik mit all ihren Möglichkeiten und Erfolgen in den Dienst der Menschheit stellen. Und doch waren wir bis heute nicht in der Lage, diese weitreichenden Quellen voll zu nutzen. Das Glück der Menschheit lässt noch auf sich warten.

Stattdessen tauchten Zweifel und Bedenken auf, weil bislang niemand die Verantwortung übernommen hat, die Menschheit hin zur ewigen Glückseligkeit zu führen. Und das wird vermutlich auch so lange so bleiben, bis Menschen, die wirklich autorisiert und kompetent sind, sich zu ihrer Verantwortung bekennen. […]

Die Wissenschaft verlangt von uns zu verstehen, was die Dinge und Ereignisse uns mitteilen und was uns die Gesetze Gottes, die über das Universum herrschen, enthüllen. Der Mensch, der erschaffen wurde, um sich alle Dinge untertan zu machen, muss sich seiner Umwelt gewahr werden. Er muss sie lesen, begreifen und von ihr lernen. Anschließend sollte er nach einer Möglichkeit suchen, seinen Einfluss auf die Ereignisse geltend zu machen und Macht über sie zu gewinnen. An diesem Punkt angekommen wird sich – dem Willen des Erhabenen Schöpfers folgend – die ganze Schöpfung dem Menschen unterwerfen, der sich seinerseits Gott unterwirft.

Die Wissenschaft steht mit all ihren Zweigen - der Physik, der Chemie, der Astronomie, der Medizin u.a. - im Dienste der Menschheit. Tag für Tag bringt sie ihm neuen Nutzen und schenkt ihm neue Hoffnung.

Deshalb hat der Mensch keinen Grund, sich vor der Wissenschaft zu fürchten. Die Gefahr liegt nicht in der Wissenschaft selbst und auch nicht in der Gründung einer Welt, die mit ihr im Einklang steht, sondern vielmehr im Zustand der Unwissenheit und in der Verantwortungslosigkeit der Wissenschaftler. […]

Wissenschaft und Technik werden dem Menschen so lange Schaden zufügen, bis Menschen, die der Wahrheit und dem Glauben verpflichtet sind, in eine Position versetzt werden, die es ihnen erlaubt, die Richtung der Dinge und der Geschehnisse zu bestimmen.

An einer Waffe in den Händen eines Engels hat die Menschheit noch nie Schaden genommen. Was immer sie hat erleiden müssen, ging von rücksichtslosen, machtgierigen Menschen aus, die glaubten, dass Macht und Recht identisch seien. Auch dies wird sich erst dann ändern, wenn die Menschen eine neue Welt auf der Grundlage von Wissenschaft und Glauben aufbauen.

Ich hoffe inständig, dass der Mensch den Grundgedanken der Welt, in der er lebt, begreift, bevor es zu spät ist.

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